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85 Folgen Flip Pass: Was wir übers Podcasting gelernt haben

  • Autorenbild: Moritz Bill
    Moritz Bill
  • 11. Aug.
  • 4 Min. Lesezeit
Podcast-Arbeitsplatz mit Mikrofon, Kopfhörern, Laptop und Flip-Pass-Logo. Im Mittelpunkt stehen 85 Folgen Flip Pass und vier Learnings über Podcasting: die Entstehung des Podcasts, Konsistenz statt Perfektion, der Einfluss von Video und das Potenzial eines Nischen-Podcasts.

Seit September 2023 produzieren Michael Krein und ich den Flip Pass, einen Podcast über den EHC Biel und Eishockey. Aus dem Podcast-Labor heraus. Meistens. 85 Folgen später starten wir in die vierte Saison und wissen deutlich besser, was beim Podcast aufbauen zählt. Und was nicht.


Wie hat es angefangen?

Klein. Sehr klein. Wenige Hörerinnen und Hörer, überschaubares Feedback, kein Plan für Reichweite. Wir hatten ein Thema, das uns beide interessiert. Das war der ganze Business-Case.

Was uns am Laufen gehalten hat, war nicht die Reichweite. Es war der Rhythmus. In der ersten Saison haben wir zweiwöchentlich veröffentlicht, ab der zweiten wöchentlich. Diese Umstellung hat mehr verändert als jede einzelne Marketing-Massnahme.


Warum Konsistenz mehr bringt als Perfektion

Der grösste Fehler beim Podcast aufbauen ist, auf den perfekten Moment zu warten. Auf das bessere Mikrofon, das durchdachtere Konzept, die ruhigere Woche. Diesen Moment gibt es nicht.

Drei Dinge, die wir aus 85 Folgen mitnehmen:

  • Frequenz schlägt Aufwand: Eine solide wöchentliche Folge bringt mehr als eine perfekte im Monat. Deine Hörer:innen bauen eine Gewohnheit auf, und der Algorithmus auch.

  • Routine senkt den Aufwand: Folge 5 dauert dreimal so lang wie Folge 50. Was am Anfang ein ganzer Tag war, ist heute ein eingespielter Ablauf.

  • Die Umstände sind selten ideal: Wer wartet, bis alles passt, veröffentlicht nie. Wir haben im Hotelzimmer, im Zug und oft zwischen zwei Terminen aufgenommen.


Die Folge, die das am besten zeigt

Zu den Olympischen Winterspielen sind wir nach Milano gefahren. Aufgenommen haben wir trotzdem: erst im Zug, dann im Hotelzimmer. Kein Studio, keine Akustikplatten, kein Skript.

Es ist eine unserer Lieblingsfolgen geworden. Wegen der Umstände, nicht trotz. Man hört, dass wir unterwegs waren, und genau das macht sie lebendig.


Was hat Video verändert?

Der zweite grosse Schub kam mit Video. Nicht weil das Publikum plötzlich zuschaut statt zuhört, sondern weil Video neue Wege in den Podcast öffnet: YouTube als Suchmaschine, Clips für Social Media, Sichtbarkeit ausserhalb der Podcast-Apps.

Der Aufwand pro Folge steigt, aber aus einer Aufnahme entstehen mehrere Formate. Wie das im Detail funktioniert, haben wir im Beitrag zum Repurposing beschrieben.


Wie viele hören eigentlich zu?

Über 1'000 Downloads pro Folge. So weist es unser Hoster aus. Die Zahl stimmt und ist IAB-certified. Sie erzählt aber nur einen Teil der Geschichte.

Rund die Hälfte dieser Downloads entfällt laut unserem Hoster auf Spotify. Schaut man dann ins Spotify-Dashboard, zählt Spotify für dieselbe Folge fast so viele Plays, wie unser Hoster Downloads über alle Plattformen zusammen ausweist. Also fast doppelt so viele, wie der Hoster dem Kanal Spotify zuordnet.

Beide Zahlen sind nicht falsch. Sie messen nur etwas anderes. Ein Download ist ein Abruf der Datei, ein Play eine gestartete Wiedergabe. Apple rechnet wieder nach eigenen Regeln, YouTube zählt Views.


Dazu kommt ein zweites Problem: Wer sagt mir, ob jemand, der eine Folge auf YouTube anschaut, sie nicht vorher schon als Audio gehört hat? Plattformübergreifend gibt es keine eindeutigen Hörer:innen. Jede Statistik zählt für sich, Überschneidungen bleiben unsichtbar. Diese Zahlen lassen sich also nicht sinnvoll addieren. Eine einzige grosse Gesamtzahl gibt es nicht, auch wenn sie sich gut lesen würde.


Deshalb schauen wir zusätzlich auf drei Signale:

  • Charts: Bei Apple Podcasts stehen wir regelmässig in den Top 3 der Schweizer Eishockey-Podcasts. Eine Platzierung im direkten Vergleich sagt mehr aus als eine absolute Zahl ohne Bezugsgrösse.

  • Abonnent:innen: Wie viele Menschen haben aktiv entschieden, jede neue Folge zu bekommen? Das ist ein härteres Signal als ein einzelner Klick.

  • Verweildauer: Hören die Leute bis zum Schluss, oder steigen sie nach fünf Minuten aus?


Unsere wichtigste Messgrösse steht in keinem Dashboard

Direktes Feedback. Nachrichten nach einer Folge, Kommentare, Gespräche im Stadion. Wenn jemand auf eine Aussage aus einer älteren Folge zu sprechen kommt, sagt uns das mehr über die Wirkung als jede Statistik.

Zahlen zeigen dir, wie viele erreicht wurden. Feedback zeigt dir, ob es angekommen ist. Für uns ist das der eigentliche Massstab, auch wenn er sich nicht in eine Kachel schreiben lässt.


Was aus einem Nischen-Podcast werden kann

Zum Start der Saison 2025/26 haben wir Flip Pass Deluxe gestartet, einen Mitgliederbereich mit Exklusiv-Content. Heute sind es über 160 zahlende Mitglieder.

Für einen Nischen-Podcast über einen Schweizer Eishockey-Club ist das mehr, als wir in der ersten Saison für möglich gehalten hätten. Und es zeigt etwas, das sich auch auf KMU übertragen lässt: Eine kleine, treue Community ist wertvoller als eine grosse, unverbindliche Reichweite. 160 Menschen, die zahlen, sind ein besseres Fundament als 10'000, die zufällig mal reinhören.


Was nimmst du daraus mit?

Wenn du einen Podcast aufbauen willst, brauchst du weniger, als du denkst: ein Thema, das dich interessiert, einen Rhythmus, den du durchhalten kannst, und Geduld für die ersten zehn bis zwanzig Folgen. Alles andere kommt mit der Routine.

Wir haben mit dem Flip Pass genau das gemacht, was wir unseren Kundinnen und Kunden empfehlen. Nicht weil es Strategie war, sondern weil wir es selbst ausprobieren wollten.


Nicht Reichweite hält einen Podcast am Leben, sondern Rhythmus.

Was hält dich vom Anfangen ab?

Wir kennen die Hürden aus eigener Erfahrung, nicht nur aus der Beratung. Schreib uns, wir schauen gemeinsam, ob und wie ein Podcast zu deinem Unternehmen, deinem Verein oder deiner Story passt.


 
 

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